“In Trennung lebend” – wie könnt ihr das verantworten?

Wir haben uns lange und intensiv Gedanken dazu gemacht, Paare interviewt, die sich in der Zeit der Trennung kennen gelernt haben, Bücher konsultiert, in der Bibel gelesen, … .

Die Frage der Scheidung wird sehr kontrovers gesehen. Sowohl die katholische Kirche als auch viele freie Gemeinden lehnen die Scheidung bzw. eine Wiederverheiratung ab. Andere wieder betonen den ‘seelsorgerlichen Aspekt’ und akzeptieren eine Wiederverheiratung als das kleinere Übel. Oder man wird gefragt, warum Scheidung als große, unwiedergutmachbare Sünde verstanden wird, anderes wie Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, die in den meisten Gemeinden oder Kirchen nur als Kavaliersdelikt angesehen werden.

Es steht uns als Betreiber nicht zu, zu urteilen oder zu verurteilen. Es muss letztlich jeder selbst mit sich und seinem Gott ausmachen, wie sie / er die Sache sieht. Eines aber, das können, und sollten wir machen: Den Menschen eine Hilfe sein, ehrlich miteinander umzugehen. Und genau aus diesem Grund haben wir die Rubrik ‘in Trennung lebend’ eingeführt. So weiß jeder, wo er bei den anderen dran ist. Und wenn jemand keinen Kontakt zu jemanden haben will, der in Trennung lebt, braucht sie / er diesem Menschen nicht zu antworten.

Folgende Punkte finden wir in diesem Zusammenhang wichtig, weiterzugeben:

  • Die Zeit der Trennung wird von Frau und Mann oft sehr unterschiedlich verarbeitet. Eine Frau braucht viel Zeit, sich innerlich von der alten Beziehung zu verabschieden, sich von ihrem ehemaligen Partner zu lösen. Ein Mann hingegen löst sich oft recht abrupt, fällt aber danach schneller in trostlose Hoffnungslosigkeit. Kommt in dieser Zeit ein weiterer ‘Schicksalsschlag’ hinzu, wie z.B. der Verlust der Arbeitsstelle, ist oft ein tiefes Absacken der Fall. Diesem wird entgegengewirkt durch neue Hoffnung, die z.B. in der Anmeldung in einer Partnersuche oder in einer neuen, sich entwickelnden Beziehung liegen kann.
  • Die offizielle Zeit der Trennung beginnt erst oft recht spät, wenn die Eheleute bereits in getrennten Haushalten leben bzw. rechtliche Schritte einleiten. Dem geht häufig aber schon eine lange Zeit der inneren und körperlichen Trennung voran, die erst in der häuslichen und gesetzlichen ihren Höhepunkt findet. Das trifft gerade auf christliche Ehen zu, wo bis zu letzt nicht nur der Schein versucht wird zu wahren, sondern auch die Gemeinde und die Eheleute selbst das nicht wahr haben wollen, was in vielen Fällen schon (fast) unvermeidlich ist. Sind nun noch einmal 1 bis 3, oder wie es bis vor kurzem im Schweizer Scheidungsrecht war, 4 Jahre der Trennung vorgeschrieben, bis die Ehe geschieden werden kann, ist das insbesondere für Menschen in der Blüte ihres Lebens eine furchtbar lange Zeit.
  • Im heutigen Scheidungsrecht in der BR Deutschland wird Ehe auch in der Phase der Trennung als ‘gemeinschaftliches Unternehmen’ angesehen. In der Realität ist es aber häufig so, dass der eine Partner einfach nicht mehr mit dem anderen kann, ja sogar richtig Angst vor ihm hat. Ist der Trennungswunsch einseitig, kann der andere Partner, der sich nicht trennen möchte, dem trennungswilligen einen unendlichen Druck gegenüber erzeugen, ja man kann ihn regelrecht ausgeliefert sein. Dies ist in allen Unglück eine weitere Demütigung. Aus diesem ‘Pat’ möchten wir einen Weg hinaus anbieten, einen Weg, zumindest von unserer Seite aus keiner neuen Beziehung, die ja auch einher geht mit neuer Geborgenheit, Liebe, etc. im Wege zu stehn.

-rzi-